Unsere Nacht war… nennen wir’s mal speziell 😅 Die Unterkunft war wirklich mehr als schräg – schwer zu beschreiben, irgendwie zwischen „abgewohnte Abstellkammer“ und „90er-Vintage-Charme gone wrong“. Aber: Es war warm, es gab ein Bett und wir hatten ein Bad. Auch wenn „Bad“ vielleicht übertrieben ist – die Dusche bestand aus einem Schlauch, der aus dem Waschbecken kam und die Wände waren eher in Schimmel als in Fliesen gehüllt 🫠 Aber uns war’s egal. Es war alles da, was wir brauchten. Mehr wollten wir nicht. Und es war warm!
Noch etwas verschlafen frühstückten wir unsere Supermarkt-Jause von gestern – sehr klassisch: ein bisschen Joghurt, ein bisschen Snack-Kram (M&M Schoko und Snickers). Danach machten wir uns fertig. Ausgepackt hatten wir eh fast nix. Ich zog genau dasselbe an wie gestern – außer die Socken, die hab ich gewechselt (Kosi nicht - könnt euch vorstellen, wie gut die riechen🙃). Einmal kurz Deo, Zahnbürste eingepackt, fertig war das Morgenritual.
In dem Moment, in dem wir die Räder vors Haus schoben, wussten wir: Heute wird kein Spaß. Der Wind war so stark, dass man selbst im Stehen fast weggepustet wurde. Kosi schaute mich nur an: „Kopfhörer?“ Ich nickte. Wenn’s schon zäh wird, dann wenigstens mit Podcast oder Musik – und die Ohren sind somit auch gleich vom Wind geschützt. Win-win.
Also: Mord auf Ex an, Halstuch angezogen und los ging’s.
Und die Fahrt bzw. die Bedingungen heute waren eigentlich richtig schade – weil die Strecke an sich war superschön. Küstenstraße, weite Sicht, kleine Bergdörfer, das Meer ganz nah… hätte eine Traumetappe werden können. Aber der Wind und das Wetter machten alles irgendwie grau. Und nicht nur optisch – auch stimmungsmäßig. Der Wind war teilweise so stark, dass einem wirklich kurz die Lust zu atmen wegblieb. Stehenbleiben war keine Option, weil man sonst einfach umgeweht wurde.
Nach einer Stunde und noch nicht mal 10 Kilometern musste ich die erste Pause machen. Meine Beine waren einfach bleischwer, meine Augen tränten vom Wind und die Arme zitterten schon. Wir bogen von der Hauptstraße ab in ein kleines Dörfchen – und fanden dort ein superliebes Café. Kosi gönnte sich einen Espresso, ich einen Cappuccino und wir sanken in die Stühle wie zwei Steine. Das Sitzen war herrlich – das Wieder-aufsitzen… eher nicht 😅
Aber: Wenn wir uns was vornehmen, dann ziehen wir’s auch durch 💪 Also wieder rauf aufs Rad und weiter.
Die Straße zog sich ewig. Immer wieder leicht bergauf, nie flach, nie entspannt. Nach 50 Kilometern wieder eine Pause – diesmal mit Kartoffel, Ei und Proteinshake 🥔🥚💪 Unsere Klassiker inzwischen. Das Wetter lud leider nicht zum lang verweilen ein. Deswegen: kurz Beine vertreten, dann Zähne zusammenbeißen – es war einfach klar: Wir müssen da durch.
Und dann, endlich: Taitung! 🥳 Nach 65 Kilometern erreichten wir die Stadtgrenze – und der Moment, in dem wir zwischen die Häuser kamen und endlich Windschutz hatten, war so ein richtiges „Oh mein Gott, jaaa“-Gefühl. Plötzlich war da halbwegs Ruhe. Keine Kampfstrecke mehr, keine unsichtbare Wand vor der Nase. Die Häuser schafften es, den letzten Weg noch etwas angenehmer zu gestalten.
Bevor wir zur Unterkunft fuhren, machten wir noch einen kurzen Zwischenstopp beim Drogeriemarkt – Gesichtsmasken mussten her (unser Gesicht war durch den Wind komplett trocken und spannt) und Magnesium sowieso. Unsere Beine schreien inzwischen jeden Abend 🙃
Dann noch schnell zum Supermarkt – denn unsere Mägen waren leer. Für mich gab’s Reis mit Süßkartoffel, Ei und Gemüse 🥦🍠, für Kosi… naja, Reis mit Reis 😂 plus ein Ei und vegane Nuggets. Alles wurde im Supermarkt direkt für uns aufgewärmt – ich lieb’s so sehr, dass das hier einfach geht! Kein Stress, kein Restaurant suchen. Einfach alles warm bekommen und draußen auf die kleine Terrasse setzen und essen.
Danach noch ein paar Snacks für den Abend: Chips, Joghurt, Obst. Und noch schnell ein Eis für den Weg.
Dann endlich: Unterkunft! Check-in war easy, das Zimmer okay – wir waren zu fertig, um irgendwas zu bewerten. Einfach rein, duschen, Essen ins Bett, Füße hoch. Fertig.
Heute schlafen wir in zwei Einzelbetten. Und ich sag´s euch - es gibt nichts Besseres!! Die letzten Tage hatten wir einen wirklichen Kampf um die Bettdecke. Die sind nämlich meist sehr klein. Deshalb haben wir uns heute richtig gefreut, zwei Betten - zwei Decken!!!
Sightseeing während der Fahrt ist leider aktuell Fehlanzeige. Leider. Bei dem Wetter war das einfach nicht machbar. Es ist wirklich schade, weil diese Strecke eigentlich voll viele schöne Spots hat – auch Hot Springs, die wir total gerne gesehen hätten. Aber alles war im Nebel, grau, verhüllt. Irgendwie unsichtbar. Und wir einfach zu kaputt.
Unsere Radtour heute:
- 70,25 Kilometer
- Durchschnittsgeschwindigkeit: 13,5 km/h
- Zeit in Bewegung: 5 Stunden und 4 Minuten
- Gesamtzeit: 6 Stunden und 31 Minuten
Heute gibt’s für uns nur noch: Gesichtsmaske, Snacks und Trash-TV. Und hoffentlich morgen ein bisschen mehr Sonne ☀️ oder zumindest: weniger Wind.
Bussi Baba von zwei ziemlich durchgepusteten Radfahrern,
Kosanni
Kommentar hinzufügen
Kommentare
Hallo, ihr beiden Lieben 🫶
wir sind beim Lesen eures Blogs schon völlig übermüdet, aber auch überwältigt!
Wer kam schon von sich behaupten, die ganze bergige Insel Taiwan mit dem Rad umrundet zu haben ?!?
Alle Achtung ❣️
Bussi und durchhalten🫶💕