Tag 121: Radtour (Tag 14) Hualien - Toucheng

Veröffentlicht am 1. April 2025 um 12:41

Hello aus der Unterkunft – wir sind seit 6 Uhr früh unterwegs und gerade eben angekommen. Und ich sag’s euch, wie’s ist: Ich bin einfach nur fertig mit der Welt. Dieser Tag war der absolute Endgegner.

Aber alles von Anfang an:

Als wir heute früh aufwachten: Regen. Natürlich. Es war kalt, windig, grau – aber hilft ja nix. Wir mussten los, denn heute stand eine richtig lange Etappe an. Also 6 Uhr - rein in die Regenklamotten, alles nochmal extra regenfest verpackt, Kapuzen festgezogen, und dann ging’s los.

Der Start? Unangenehm. So richtig. Nass, kalt, windig – richtig widerlich zu fahren. Nach ein paar Kilometern kam noch eine Extra-Schicht Kleidung dazu, weil wir trotz Bewegung einfach durchgefroren waren.

Bis Kilometer 50 war die Fahrt eigentlich... naja, okay. Viele Berge, viel Wind – ihr kennt das ja mittlerweile von uns 🙃 Aber dann...

Plötzlich hupten dauernd Autos. Ich nahm die Kopfhörer raus, sah Kosi an – auch er hörte es. Wir waren verwirrt, aber wussten nicht, was los ist. Also: Weiterfahren. Immer wieder hupte es, Lichthupe, seltsame Gesten aus Autofenstern. Und dann – endlich – hielt ein Wagen an. Ein Mann stieg aus und kam direkt auf uns zu.

Er redete auf Chinesisch auf uns ein, wir verstanden natürlich kein Wort 😅 Er zeigte nach vorne und machte uns klar: Folgt mir. Also gut, wir hinterher. Nur 100 Meter weiter bog er zu einem Haus ab – wir zögerten kurz, folgten dann aber.

Vor dem Haus standen schon etwa acht Einheimische in Warnwesten, wild gestikulierend, redend, keiner sprach Englisch. Bis endlich jemand sein Handy zückte und die Übersetzer-App laufen ließ:

„Ihr seid auf der Autobahn. Die Polizei wartet schon am Ende der Straße auf euch. Ihr müsst dann viel bezahlen.“
Wir so: WHAT?!? 😳

Er fuhr fort: „Wir versuchen, euch von hier runterzubringen.“

Und ich sag euch ehrlich – in dem Moment, nach vier Tagen voller Mord-Podcasts im Ohr, war mein Kopfkino on fire. Wir standen da, klatschnass, irgendwo auf einer Art Baustelle, mit acht fremden Männern – und ich wusste nicht, ob das jetzt rettende Hilfe oder das perfekte Setup für einen True-Crime-Fall ist.

Plötzlich nahmen sie unsere Rucksäcke von den Rädern. Kosi reagierte sofort und schnappte sich einen zurück. Aber die anderen trugen sie schon Richtung Haus. Dann nahmen sie auch unsere Fahrräder – und bedeuteten uns, mitzukommen. 

Wir folgten ihnen in ein kleines Autobahn-Bauhäuschen. Sie gingen mit unserem ganzen Zeug eine Treppe runter, wir hinterher. Am Ende öffnete einer ein Tor – und plötzlich: wir standen auf einer ganz normalen Straße. Einer der Männer erklärte uns, dass wir jetzt wieder normal weiterfahren könnten. Einfach so.

Wir waren sooo erleichtert! 🙏 Die Menschen hier sind wirklich unglaublich hilfsbereit. Ohne sie wären wir wahrscheinlich am Ende irgendwo zwischen Polizei und Strafe gelandet. Also: tausend Dank. Wirklich. ❤️

Danach ging’s weiter – aber die Freude hielt nicht lang. Denn dann kamen sie: die Berge. Erst einer. Ich dachte schon da: Okay, das war’s, ich steig ab. Dann bergab – kurz Hoffnung. Dann kam der zweite. Und als wär das nicht schon genug: Nummer drei. Und hinter jeder Kurve wartete nur noch mehr Wind 😩

Dreimal machten wir Pause. Zweimal, weil wir Hunger hatten – einmal, weil ich einfach keine Lust mehr hatte. Alles tat weh. Nichts war mehr angenehm. Ich hab Kosi angesehen – der hatte zwar noch Kraft, aber auch nur, weil er sich selbst zum Durchhalten zwang. Er hatte richtig Mitleid mit mir – aber man sah ihm an: er kämpfte genauso.

Irgendwann – nach 135,05 Kilometern – kamen wir endlich in die Nähe der Unterkunft. Wir fuhren ungelogen dreimal im Kreis, weil wir den Eingang nicht fanden. Und als wir dann endlich vor der Tür standen… war niemand da.

Ich schrieb der Vermieterin auf Booking – sie antwortete kurz und knapp: „Bitte warten, ich komme.“

Klar. Gerne. Nach 11:34 Stunden draußen, komplett durchnässt, kalt, verhungert, erschöpft. Kein Ding 🫠
15 Minuten später kam sie dann endlich. Kosis Laune? Sagen wir… ausbaufähig. Ich war schon drüber, mir war alles egal – ich wollte einfach nur heiß duschen 🛁

Also ging ich duschen, und Kosi machte sich auf, um Essen zu besorgen. Ich bin gespannt, was er auftreibt. Hauptsache warm. Hauptsache viel 🍛

Morgen steht noch ein letzter Radtag an – und dann haben wir’s geschafft!!!
Unsere Popschis werden es uns danken. Und unsere Beine vermutlich auch.

 

Fakten vom heutigen Tag:
🚴‍♀️ Strecke: 135,05 km
📈 Anstieg: 4.025 Höhenmeter
⏱️ Zeit in Bewegung: 8 Stunden 47 Minuten
🕓 Gesamtdauer: 11 Stunden 34 Minuten

 

PS: Die Wanderer, von denen ich letztens erzählt hab?
Laut den Einheimischen sind das tatsächlich Tourist:innen, die die ganze Insel zu Fuß abgehen. Krass. Aber nix für mich 😂

 

Bussi Baba,
Kosanni 💛

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